Kantabrien mit Kindern ist kein klassisches Familienreiseziel wie Barcelona, Mallorca oder die Costa Brava. Und genau darin liegt sein Reiz.
Der grüne Norden Spaniens wirkt oft wie ein Gegenentwurf zum touristisch geprägten Süden – rauer, ursprünglicher und vielleicht auch echter.
Für mich ist Kantabrien mehr als ein Urlaubsort. Meine Mutter ist dort aufgewachsen, und ich selbst fahre seit vielen Jahren dorthin. Unser Ausgangspunkt ist Renedo de Cabuérniga – ein kleines Dorf im Tal, rund 30 Minuten vom Atlantik entfernt und knapp 45 Minuten von Santander.
Hier beginnt Kantabrien, wie ich es kenne: morgens manchmal Nebel über den Hügeln, Kuhglocken in der Ferne, später das Rauschen des Meeres. Für Familien stellt sich aber die Frage: Ist das auch praktisch?
Inhaltsübersicht
Die Vorteile eines Urlaubs in Kantabrien mit Kindern
1. Natur statt Animation
Keine überfüllten Hotelanlagen, keine Dauerbeschallung – stattdessen Wälder, Berge und weite Strände. Kinder bewegen sich hier ganz selbstverständlich mehr, ohne festes Programm. Mit etwas Glück lassen sich in den Bergen Wildtiere wie Hirsche, Rehe oder Füchse beobachten – auch Wölfe und vereinzelt Bären sind in der Region heimisch.
2. Kurze Wege zwischen Bergen und Meer
Innerhalb einer Stunde lassen sich komplett unterschiedliche Landschaften erleben – ideal für abwechslungsreiche Tage ohne lange Fahrten.
3. Authentische Kultur
Weniger touristisch bedeutet: echter Alltag. Märkte, kleine Bars, Dorffeste. Kein Touristenrummel, sondern das echte Leben.
4. Angenehmes Klima
Im Sommer selten über 30 Grad – gerade für kleinere Kinder deutlich entspannter als der Süden Spaniens. Aber Achtung: Der Norden ist grün aus gutem Grund. Regen gehört dazu.
5. Tiere und Landleben hautnah
In vielen Häusern gehören Tiere ganz selbstverständlich zum Alltag: Hunde im Hof, Katzen in den Gärten, Hühner zwischen den Mauern. In der Umgebung prägen Pferde, Schafe und vor allem Kühe des traditionellen Tudanca-Rinds das Bild. Für Kinder ist das jedes Mal ein kleines Abenteuer – Tiere nicht im Streichelzoo, sondern als Teil des echten Lebens.
Die Nachteile
1. Auto fast zwingend notwendig
Öffentliche Verkehrsmittel gibt es, sind für Familien aber meist unpraktisch. In vielen Dörfern fährt morgens ein Bus zwischen 7:00 und 7:30 Uhr in Richtung Stadt – die Rückfahrt oft erst am Abend. Für Flexibilität ist ein Mietwagen sehr empfehlenswert.
2. Weniger klassische Kinderangebote
Freizeitparks, große Resorts oder Wasserparks sucht man hier vergeblich. Dafür gibt es besondere Ausflugsziele: etwa die Höhle von Altamira, weltberühmt für ihre steinzeitlichen Höhlenmalereien. Weniger bekannt, aber ebenso spannend ist die Cueva de las Monedas in Puenteviesgo – entdeckt von meinem Großvater Isidoro Blanco und heute für Besucher zugänglich.
3. Wechselhaftes Wetter
Kantabrien gehört zu den regenreichsten Regionen Spaniens. Wer Sonnentage garantiert braucht, ist im Süden besser aufgehoben. Wer damit umgehen kann, erlebt dafür eine der grünsten Landschaften Europas.
Zwischenfazit
Kantabrien ist ideal für Familien, die Natur und Ruhe suchen – weniger für klassische All-inclusive-Urlaube.
Kantabrien mit Kindern – Praktische Tipps für Familien
Unterkünfte
Statt großer Hotels empfehlen sich Posadas (kleine Pensionen) oder Casas Rurales (Ferienhäuser auf dem Land). Viel Platz, oft Gärten oder Höfe, persönlicher Kontakt – für Familien deutlich entspannter.
Beste Reisezeit
- Mai–Juni: grün, ruhig, ideal mit Kindern
- Juli–August: warm, aber nie extrem heiß
- September: Geheimtipp – weniger Touristen, noch gutes Wetter
Autofahrten
Die Straßen im Inland sind kurvig, Entfernungen wirken kürzer als sie sind. Etappen einplanen, Zwischenstopps an kleinen Dörfern oder Aussichtspunkten nutzen, Snacks mitnehmen.
Essen
Quesada pasiega (mild, leicht süß), Flan und Sobaos pasiego (perfekt für unterwegs) sind meist ein sicherer Treffer bei Kindern. Cocido montañés, der herzhafte Bergeintopf, ist eher etwas für ältere Kinder.
Ausflugsziele im Überblick in Kantabrien mit Kindern
- Picos de Europa – eindrucksvolles Gebirge, auch mit Kindern machbar: leichte Wanderwege, Seilbahn in Fuente Dé, Picknickplätze mit Aussicht
- Naturpark Saja-Besaya – riesiges Waldgebiet, schattige Wege, kaum Höhenmeter
- Playa de Oyambre – breiter, offener Strand mit Dünen, selbst im Sommer nie überfüllt
- Santillana del Mar – historisch, fast wie ein Freilichtmuseum, für Kinder überraschend spannend
- Santander – die Hauptstadt, eine der schönsten Adressen im Norden Spaniens, mit wunderbarem Stadtstrand (Playa El Sardinero)
- Comillas – Architektur, Meer, kleine Gassen
Fazit – Ein Moment, der bleibt
Ein Abend am Strand bei Oyambre. Die Kinder spielen im Sand, der Wind wird ruhiger, irgendwo bellen Hunde in der Ferne. Kein Lärm, keine Animation, keine Termine.
Kantabrien ist kein perfektes Reiseziel. Aber genau das macht es für Familien interessant. Es zwingt einen, langsamer zu werden.
Und vielleicht ist das der eigentliche Luxus.
Über den Autor
Mario ist Gastronom aus Karlsruhe und Betreiber von spanien.pro. Dank seiner familiären Wurzeln in Kantabrien und mehrerer Spanienreisen pro Jahr kennt er vor allem den Norden des Landes bestens. Auf seinem Blog teilt er persönliche Erfahrungen, Reisetipps und echte Insider-Tipps rund um Spanien.
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